Kommentar: Freifunk kann auch schnell

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Kommentar: Freifunk kann auch schnell

Vor ein paar Tagen haben wir eine nette Nachricht über unsere Facebook-Seite bekommen, in welcher gefragt wurde, wie man uns unterstützen könne, weil das Netz so langsam ist. Jeder von uns engagiert sich ehrenamtlich, um für die Nutzer im Freifunk-WLAN das Beste zu ermöglichen. Dementsprechend sind wir natürlich auch daran interessiert, dass das Netz schnell und stabil läuft.

Die letztlich nutzbare Geschwindigkeit ist aber von mehreren Faktoren abhängig und leider haben wir nur auf die Wenigsten Einfluss. Freifunk kann jeder Knotenbetreiber in dem Umfang zur Verfügung stellen, wie er möchte. Diese Freiheit führt dazu, dass die Möglichkeiten leider nicht immer voll ausgeschöpft werden. Der Freifunk-Lippe e.V. stellt lediglich die Infrastruktur bereit, um Freifunk nutzen zu können. Gibt es ein Problem mit dem WLAN, fällt es aber trotzdem auf Freifunk Lippe zurück.

1) Internetanschluss

Um Freifunk zu nutzen, bedarf es zwar nicht zwingend eines eigenen Internetanschlusses, doch sorgt dieser dafür, dass Freifunk schneller und stabiler läuft.

Da der Datenverkehr im Internet immer weiter ansteigt ist es umso wichtiger, dass immer mehr Knoten an Internetanschlüssen mit einer hohen Geschwindigkeit angeschlossen sind. Dies betrifft vor allem Freifunk-Zugangspunkte die von vielen Nutzern gleichzeitig genutzt werden, da sich diese die Bandbreite teilen müssen.


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Die Freifunk-Firmware bietet die Möglichkeit den Uplink (zur Verfügung gestellte Bandbreite ins Internet) zu begrenzen, auch das kann ein limitierender Faktor sein. Letztlich kann man sagen, dass Stand 2018 ein öffentliches WLAN an stark frequentierten Plätzen, dessen Internetanschluss  weniger als 16 MBit hat, gar keinen Sinn macht. Besser sind dann schon Bandbreiten mit 50 MBit und mehr.

 

2) Hardware

Um Freifunk nutzen zu können werden handelsübliche Router mit unserer alternativen Firmware geflasht (installiert). Diese schwanken je nach Einsatzgebiet und Anspruch an die Geschwindigkeit eben auch preislich. Wir empfehlen im Indoor-Bereich den TP-Link WR1043ND (~50€) oder den TP-Link Archer C7(~80€). Natürlich gibt es auch einfachere Geräte. Diese sind aber nur als privates Gast-WLAN zu empfehlen. Als öffentliches Gäste- bzw. Kunden-WLAN ist von solchen Geräten abzuraten, was auch dazu geführt hat, dass die Stadt Detmold im Innenstadtbereich den TP-Link WR1043ND oder besser Dualband Geräte wie den Archer C7 v2, TP-Link Archer C25 oder den Ubiquiti AC-Mesh im Outdoor-Bereich fördert.

An stark frequentierten Plätzen sind Dualband AP’s wie der Archer C7 v2/Ubiquiti AC-Mesh sogar ein Muss, um die Bandbreite gut zu verteilen.

Doch warum ist die Hardware so entscheidend? Dies hat 2 Ursachen. Erstens der verbaute WLAN-Chip ist leistungsfähiger und zweitens, der Hauptprozessor kann die Daten so schneller durch den L2TP Tunnel zu unseren Gateways leiten.

Tipp:
Bei Bandbreiten jenseits der 50 Mbit aufwärts und nur einem Freifunk Router am Anschluss, empfiehlt sich sogar ein zusätzliches Gerät (Freifunk Offloader). Mit diesem Offloader kann man die gleiche Geschwindigkeit wie verfügbare Bandbreite erreichen. Offloader sind handelsübliche x86 Rechner von ThinClients, bis hin zu ausgewachsenen PC’s die nichts anderes machen, als die Daten durch den L2TP Tunnel durch zuleiten, um dem „kleinen“ Freifunk Knoten unnötige Rechenleistung zu ersparen. Dieser wird einfach zwischen den Provider Router und dem Freifunk Router „geklemmt“.

Foto: Vergleich der Internetgeschwindigkeit am normalen Internetanschluss und im Freifunk-Netz

3) Standort des Freifunk-Routers

Ein anderer, wesentlicher Faktor der die Freude am Freifunk-Netz bremst, ist der Standort des Freifunk-Routers. Das WLAN-Signal, mit welchem die Daten ausgetauscht werden, wird von verschiedenen Materialien und anderen elektronischen Geräten geschwächt. Je nach Standort des Freifunk-Routers lässt sich das Signal und damit auch die Geschwindigkeit im Freifunk-Netz erheblich verbessern. Aber warum ist das so?

 

Antennenausrichtung und Standort

Auch die Ausrichtung der Antennen im Zusammenhang mit dem Standort entscheidet über die Qualität des WLAN-Signals. Dazu gibt es hier schon einen Artikel.

Verlustpakete

Bei der Übertragung von Daten via WLAN werden auch immer Datenpakete mitgeschickt, um sich rückzuversichern, inwieweit die letzten Datenpakete angekommen sind. Sind diese Pakete nicht angekommen, weil sie stark abgeschirmt wurden,  werden sie nochmal verschickt. Bei einem schlechten WLAN brauchen also die gleichen Daten mehrere Pakete, was die Geschwindigkeit der Verbindung sinken lässt.

Funkkanal

Ein anderer limitierender Faktor für das WLAN und damit indirekt auch dem Standort, sind Interferenzen mit Geräten in der Nähe, die den gleichen WLAN-Kanal nutzen. Dadurch gehen, auch bei guter Signalstärke des WLAN-Netzes, viele Pakete auf dem Weg zum Endgerät verloren.

Mesh-WLAN

Ein klarer Vorteil von Freifunk ist, dass neben dem Client WLAN auch ein zweites Mesh Netz aufgebaut wird. Dies sorgt dafür, dass auch Geräte ohne eigenen Internetanschluss mit Freifunk versorgt werden. Fällt zum Beispiel der Internetzugang aufgrund von Problemen beim Internetprovider aus, so kann trotzdem über benachbarte Freifunk-Router eine Internetverbindung aufgebaut werden. Dieses zweite WLAN-Netz kostet aber auch Prozessorleistung des WLAN-Chips und Airtime. So lohnt es sich in einigen wenigen Fällen, das Mesh-Netz zu deaktivieren.

Airtime

Ein anderer Faktor ist die eben schon erwähnte Leistung des WLAN-Chips. Jedes Gerät, mit dem Daten kommuniziert werden, braucht Rechenzeit auf dem Chip. Diese ist aber endlich, sodass quasi eine Warteschlange entsteht. Bei einem schlechten Standort dauert die Datenübertragung  aufgrund der Verlustpakete länger.

4) Anzahl der Clients

Alle bis dato beschriebenen Probleme sind letztlich auch abhängig von der Anzahl der Nutzer im Freifunk-Netz.

 

Betrachtet man die oben genannten Ursachen als eine Art Checkliste, so wird man sicher noch Optimierungsmöglichkeiten finden.
Den Problemen kann man aber entgegenwirken, denn …  Freifunk kann auch schnell.

 

Kurz und knapp:

1. Sprecht uns an, um den optimalen Standort und Setup zu ermitteln.

2. Je mehr Leute mit Internet-Anschluss dabei mitmachen, desto besser/schneller wird das Netz.

Freifunk ist nicht langsamer als andere WLAN Angebote (ganz im Gegenteil, die sind nur teurer) aber zaubern können wir leider noch nicht….doch mit eurer/Ihrer Hilfe, werden wir es versuchen 😉

Sollte es dennoch Probleme geben, kontaktieren Sie uns unter info@freifunk-lippe.de

2018-05-10T18:25:58+00:0028.04.2018|Aktuelles, How-To's|0 Kommentare

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